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Clara Vogedes
(* 1892 in Krefeld, †1983 in Heilbronn)
Zur Familie zählt man Komponisten und Bildhauer, das musische Klima fördert ihre künstlerischen Neigungen.
1910 – 1912 französische Sprachstudien in Rolle (Genfer See), Dolmetscher-Examen. Unterricht in Aquarellmalerei
bei Prof. Duvoisin, Genf. Entscheidend für ihren Entschluss, Malerin zu werden, ist (1910) eine Ausstellung von
Paula Modersohn-Becker, die ihr Mut zur Identifikation mit diesem Berufsbild vermittelt.
Heirat, 4 Kinder. 1912 – 13 KGWS Krefeld bei Prof. van de Velde, Ölmalerei.
Es entstehen nach 1912 sehr wenige Ölbilder, das Material ist ihr nicht spontan genug. Im 1. Weltkrieg arbeitet
Clara Vogedes als Journalistin, wobei ihr das Dolmetscher-Examen zugute kommt. 1917 geht sie mit ihrem Mann, der
nun Soldat ist, nach Ostpreußen. Durch den Krieg verlieren beide die materielle Lebensgrundlage: Neuaufbau und Rückkehr
nach Krefeld. In den 20er Jahren lebt sie, bedingt durch die Stelle ihres Mannes, in Hannover, wo sie die Dada-Szene um
Schwitters verfolgt, ohne selbst aktiv zu werden. Sie verkehrt mehr in literarischen Kreisen um ihren Mann. 1926 wird
ihr Mann nach Trier versetzt, wo sie einem großen Malerkreis angehört und wo bereits französischer Einfluss spürbar ist.
1929 malt Clara Vogedes das Porträt ihres Mannes, ohne jede Heroisierung, mit den wesentlichsten Charaktereigenschaften.
Schon hier wird ihre meisterhafte Beherrschung der Aquarelltechnik deutlich. In den 30er Jahren Umzug nach Neunkirchen/Saar.
In dieser Zeit entstehen viele Aquarelle zum Thema Arbeit: Hochöfen, Walzwerke, Drahtzieherei. Die Menschen bei ihrer
schweren Arbeit sind ihre Themenvorwürfe, mit sozialkritischem Unterton. 1932 erste Einzelausstellung im Kasinosaal Trier.
Nach Kriegsende Umzug nach Paderborn (1947 - 57). Es entstehen in impressionistischer, duftiger Aquarellmalerei Bilder
von der noch nicht wieder aufgebauten Stadt, vor allem mehrere Ansichten des Doms. Den Aquarellen dieser Zeit, für die
sie immer nur französische Farben benutzt, merkt man die meisterhafte Beherrschung der Technik an: Zarteste Farbverläufe,
opalisierende Übergänge von Ton zu Ton, drastisch dagegen gesetzte Bunttöne, dunkle Akzente, spröde, trockene Pinselspuren,
die das Relief des Papiers sichtbar machen, dann wieder das durchsichtige Übereinanderschichten der Farben in sparsamer
Palette, das Auswischen der Farben, das fast an Kreidezeichnungen denken lässt. Die Arbeiten entstehen schnell und spontan,
und immer direkt vor dem Motiv, es sind „Arbeiten aus dem Rucksack“, wie Clara Vogedes sie selbst nennt. Im Winter, da
Motive vor der Natur fehlen, wendet sie sich der Batik zu, auf die sie ihre Aquarelltechnik überträgt und damit auch der
Batik neue Impulse gibt. Sehr oft hat sie hierbei religiöse Themen verarbeitet. In den 50er Jahren steht sie auf der Höhe
ihres Schaffens, das „Selbstporträt im Fasching“ (etwa 1950) zeigt sie als lebenssprühende, selbstbewusste Frau. Den Tod
ihres Mannes 1956 scheint sie in ihren Blumenstilleben bereits vorauszuahnen, sie bestechen durch die morbide, wie ermattete
Farbigkeit. 1957 Umzug zu ihren Kindern nach Lünen und Bau eines Ateliers. 1965 – 68 Besuch der Salzburger Sommerakademie,
Kurse bei Prof. E. Vedova, unter dessen Einfluss abstrakte Kompositionen entstehen, die sie aber bald wieder zugunsten ihrer
eigenen Handschrift aufgibt. 1969 Aufenthalt bei Arthur Langlet im Künstlerdorf Séguret: Aquarellreihen vor der Landschaft,
Sonnenuntergänge, Gewitterstudien, Licht und Stimmung der Camargue. Clara Vogedes Aquarelle scheinen vibrierend zu schwingen:
Licht, Luft, Atmosphärisches spielen hinein, und setzen daher einen starken lyrischen Akzent. Es geht ihr nicht um exakte
Wiedergabe, sondern um die Erlebnisdimension beim Verweilen z.B. in der Landschaft, Malerei als „Existenzmitteilung“.
1970 erneut Sommerakademie Salzburg, diesmal bei Prof. Zoa Wou Ki. 1971 Griechenlandreise, von der sie, wie schon vorher
von allen ihren Reisen, Landschaftsaquarelle mitbringt, die manchmal ganz abstrakt nur noch wie Farb- und Lichtstudien
wirken. 1974 Akt- und Portraitkurs an der Sommerakademie Salzburg bei Prof. Ciuha; Reise nach Andalusien. 1976 letzte
Reise nach Paris, in die Bretagne, nach Prag: 1977 hemmt sie ein erster Schlaganfall, doch sie arbeitet langsam weiter,
1979 setzt ein zweiter Schlaganfall ihrem Schaffen endgültig ein Ende, sie begibt sich zu ihrer Tochter nach Heilbronn
in Pflege. 1983 Tod in Heilbronn.
Dr. Ulrika Evers in „Deutsche Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts“
(Ludwig-Schultheis-Verlag, Hamburg, 1983)
Mit freundlicher Genehmigung: Dr. Ulrika Evers (Leiterin Kreismuseum Peine)
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